{"id":530,"date":"2019-03-10T17:48:13","date_gmt":"2019-03-10T17:48:13","guid":{"rendered":"https:\/\/outdoorfreak.anders-web.de\/?p=530"},"modified":"2024-01-31T13:41:32","modified_gmt":"2024-01-31T13:41:32","slug":"mein-erstes-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/outdoor.anders-web.de\/?p=530","title":{"rendered":"Mein erstes Mal &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Diesen Beitrag habe ich nach meinem ersten Marathon in M\u00fcnchen am 14. Oktober 2013 geschrieben. Er wurde leicht gek\u00fcrzt in der Oktober -Ausgabe der Runner&#8217;s World 2014 in der Rubrik &#8222;Mein erstes Mal&#8220; ver\u00f6ffentlicht. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/outdoorfreak.anders-web.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orig-MUOG2326-1024x682.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-532\" srcset=\"https:\/\/outdoor.anders-web.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orig-MUOG2326-1024x682.jpeg 1024w, https:\/\/outdoor.anders-web.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orig-MUOG2326-300x200.jpeg 300w, https:\/\/outdoor.anders-web.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orig-MUOG2326-768x511.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zieleinlauf im M\u00fcnchener Olympiastadion<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als ich am 01. August 1980 gebannt vor dem Fernseher sa\u00df und den zweiten Olympiasieg von Waldemar Cierpinski live verfolgte, als der Sportreporter Heinz-Florian Oertel die legend\u00e4ren Worte &#8222;nennen Sie Ihren Sohn Waldemar&#8220; ins Mikrofon rief, regte sich in mir ein kleiner Traum: einmal im Leben einen Marathon laufen. Und das, obwohl ich im Schulsport beim Ausdauerlauf regelm\u00e4\u00dfig versagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Traum musste noch ganze 33 Jahre warten. Aber erst einmal der Reihe nach.Wie gesagt, in der Schule war Laufen nicht wirklich meine St\u00e4rke. Die 3 km, welche wir regelm\u00e4\u00dfig auf Zeit laufen mussten, waren mir immer ein Greul. Und nur den motivierenden Anfeuerungsrufen unseres Direktors habe ich es zu verdanken, dass ich in dieser Disziplin nicht durch die Sportpr\u00fcfung fiel. Ich war zwar Letzter, rette mich aber gerade so auf eine 4. Als ich im Sommer 1988 zur Armee kommen sollte, hatte ich im Vorfeld m\u00e4chtig Angst vor den dort anstehenden sportlichen Herausforderungen. Insbesondere die von \u00e4lteren Freunden, welche den Armeedienst schon begonnen, oder hinter sich hatten, in Aussicht gestellten Waldl\u00e4ufe lie\u00dfen eine gewisse Panik in mir aufkeimen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also kaufte ich mir ein paar schicke Laufschuhe (damals noch aus Leder!) und machte mich auf den Weg um ein L\u00e4ufer zu werden. So steigerte ich mich von einem zum anderen mal und ganz langsam machte mir der Ausdauerlauf sogar Spa\u00df. Bis ca. 10 km liefe ich vorwiegend auf Asphalt und nahm sogar an einem 3-Km-Friedenslauf teil (sozusagen mein erster Laufwettkampf). Die Armeezeit bew\u00e4ltigte ich dann in Bezug auf das Laufen ohne Probleme und lief auch noch die ersten Jahre nach der Wende mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig, Distanzen zwischen 3 und 10 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann Mitte der 90er Jahre das Arbeitspensum immer mehr wurde (man wollte ja Karriere machen), gingen auch die sportlichen Ambitionen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck den Bach hinunter. Der Traum vom Marathon wurde St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck unter ca. 40 Kilogramm Bauchfett begraben. Aber wie das so ist, wenn M\u00e4nner in die Jahre kommen, regte sich auch bei mir jenseits der 40er-Marke ein gewisser Widerstand. Also wieder Laufschuhe gekauft und ab auf die Piste. Nach ein paar ambitionierten Versuchen, die immer wieder im Winterschlaf versackten, ist es mir dann im Sommer 2011 endlich gelungen die 40 Kilogramm \u00dcbergewicht loszuwerden und die Laufschuhe auch im Winter zu schn\u00fcren. Am 31.12.2011 dann mein erster Wettkampf der &#8222;Neuzeit&#8220; beim Silvesterlauf in Bamberg \u00fcber 6 km. Und ganz langsam, am Horizont, da flackerte er wieder auf, zuerst ganz zart und heimlich und nach den ersten L\u00e4ufen \u00fcber 10 und 21 km immer st\u00e4rker: da war er wieder, der Traum vom Marathon.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2013 habe ich mich dann f\u00fcr den M\u00fcnchen-Marathon angemeldet und darauf hin trainiert. Die letzten 12 Wochen vor dem Lauf, ein Marathon spezifisches Training absolviert. Leider habe ich mir dann 3 Wochen vor dem Wettkampf eine kleine, aber hartn\u00e4ckige, Erk\u00e4ltung eingefangen und so mussten leider zwei der geplanten l\u00e4ngeren L\u00e4ufe erheblich k\u00fcrzeren Einheiten weichen. Also war ich nur suboptimal auf den Lauf des Jahres vorbereitet und ging dann doch mit viel Respekt und einigerma\u00dfen &#8222;vollen Hosen&#8220; an den Start. Nachdem wir, meine Frau und mein Sohn begleiteten mich nach M\u00fcnchen, am Sonntagmorgen das Hotel verlie\u00dfen und es in Str\u00f6men regnete, hatte ich eigentlich schon fast die Nase voll. Sollte es laut Wetterbericht nicht der sch\u00f6nste Tag der Woche werden? Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt und so fuhren wir mit der U-Bahn zum Olympiazentrum, wo dann doch die Sonne auf uns wartete und zur Vers\u00f6hnung strahlte.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich, 10 Minuten vor dem Start, kamen wir an der Ackermannstra\u00dfe an, noch schnell ein Foto, ein K\u00fcsschen und ich mischte mich unter das bunte Laufvolk. Der Startschu\u00df (der eher einem Kanonendonner glich) lie\u00df nicht lange auf sich warten und die imposante Menge setze sich in Bewegung. Die ersten Meter war es noch etwas eng, aber sp\u00e4testens beim Lauf auf der Ludwigstra\u00dfe, vorbei an den ersten Sehensw\u00fcrdigkeiten entzerrte sich die L\u00e4uferschaar und ich konnte ruhig mein Tempo laufen. Als N\u00e4chstes ging es dann in Richtung englischer Garten, wo eine relativ lange Strecke durch die wundersch\u00f6ne, herbstliche Landschaft zur\u00fcckzulegen war. Bei Kilometer 10 lag ich absolut im Plan und f\u00fchlte mich gut, dass machte Hoffnung f\u00fcr mehr. Also weiter durch den Englischen Garten bis Kilometer 15 und anschlie\u00dfend \u00fcber die Isar in den M\u00fcnchener Osten. Pl\u00f6tzlich, ca. bei Kilometer 16, machte sich mein Knie unangenehm bemerkbar. Also nahm ich etwas Tempo raus, um den Erfolg nicht zu gef\u00e4hrden. Beim Halbmarathonstart wurde wieder die Zwischenzeit genommen und ich lag nun etwas hinter meinen Erwartungen zur\u00fcck. Aber man ist ja flexibel und so schraubte ich meine Zielzeit etwas zur\u00fcck und lief im Knie schonenden Tempo weiter. Ich hatte mir die Strecke in 7-Kilomter-Abschnitte eingeteilt, also rein mental waren 6 Runden a 7 Km zu bew\u00e4ltigen. Bei Km 28 waren es dann derer nur noch zwei. Jetzt noch 7 Km und dann kommt der &#8222;Mann mit dem Hammer&#8220; dachte ich mir. Auch wenn ich nun etwas langsamer lief und ich mich in Punkto Herzfrequenz und Lunge nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig belastete, so wurden die Beine dennoch langsam immer schwerer. Im Training war das zwar auch schon so, aber da bin ich lediglich bis 30 Km gelaufen und nun, bei Kilometer 30 waren es ja immer NOCH ganze 12. Oder waren es NUR noch zw\u00f6lf? So recht wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Wird das heute noch was, oder muss ich ins Ziel wandern? Das ich ankommen w\u00fcrde, hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon definitiv auf dem Zettel, aber in welcher Zeit? Die 4:30 Std., welche ich mir im Vorfeld als Ziel gesetzt hatte, waren aus meiner Sicht nicht mehr m\u00f6glich und auch eine Zeit unter 5 Std. schien schon sehr knapp zu sein. Aber was soll`s. Z\u00e4hne zusammen bei\u00dfen und weiter geht\u2019s. Ab Kilometer 31 ging es dann wieder mehr in die Innenstadt, vorbei an interessanten, historischen Bauten. Vieles davon kannte ich noch gar nicht und habe mir fest vorgenommen, all diese Dinge mal frisch gewaschen in Jeans und T-Shirt zu besuchen. Ab dem 32. Kilometer ging es meinem Knie dann zusehends besser. Oder lag es daran, dass die noch zur\u00fcckzulegenden Kilometer nun einstellig wurden? Jetzt waren es ja schlie\u00dflich &#8222;nur&#8220; noch 9, noch 8, noch 7\u2026 Bei Kilometer 35 lugte ich vorsichtig um die Ecke, aber den Mann mit dem Hammer<br>\nkonnte ich nicht sehen. Schlie\u00dflich hatte ich mich ja die letzten 20 Kilometer etwas &#8222;ausgeruht&#8220; und griff noch einmal an. Die Zeiten wurden nun wieder besser und so \u00fcberholte ich L\u00e4ufer, die mich vor zwei Stunden selbst \u00fcberholt hatten und von denen ich die ganze Zeit nichts mehr gesehen habe. Aha, dachte ich mir, das sind also die, welche mit dem &#8222;Hammermann&#8220; Bekanntschaft gemacht haben. Aber ich hatte keine Zeit um sie zu tr\u00f6sten. Jeder l\u00e4uft f\u00fcr sich allein, gegen die Uhr und den inneren Schweinehund. Auf den letzten 2 Kilometern, man konnte den Fernsehturm und das Olympiagel\u00e4nde schon sehen, hatte ich noch sehr nette Begegnungen mit franz\u00f6sischen und englischen L\u00e4ufern. Wir feuerten uns gegenseitig an uns freuten uns auf den Zieleinlauf.<br>\nUnd wie so oft: das Beste kommt zum Schluss! Nach der letzten Kurve vor dem Olympiastadion tauchte es dann auf: das gro\u00dfe Marathontor. Wir wurden begr\u00fc\u00dft mit Musik und Blitzlichtgewitter, eine mystische Stimme verk\u00fcndete, dass es nun nur noch 350 Meter bis zum Ziel sind. Ein sehr emotionales Gef\u00fchl ergriff mich, so etwas zwischen vor Freude weinen und laut Schreien wollen, aber dazu war ich gerade nicht in der Lage. Schon tauchte der Innenraum vom Olympiastadion auf und mehr Zuschauer, als ich erwartet hatte, sa\u00dfen auf den Trib\u00fcnen und feuerten ihre Athleten an, sobald sie diese zwischen den L\u00e4ufern erkannten. Ich h\u00f6rte eine Stimme rufen: &#8222;Papa, Papa!&#8220; und erkannte erst meine Frau und dann meinen Sohn und meine Eltern, welche mir von ihren Pl\u00e4tzen zujubelten. Ich wedelte wie verr\u00fcckt mit den Armen, straffte meinen K\u00f6rper und rannte noch ein wenig schneller. Nun noch schnell das Ziel \u00fcberqueren und mein erster Marathon war geschafft. Ein Lebenstraum ist in Erf\u00fcllung gegangen. Wer h\u00e4tte das vor 33 Jahren gedacht <\/p>\n\n\n\n<p>Und die Zielzeit? Die ist jetzt auch egal. Aber so was von!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/outdoor.anders-web.de\/mein_erstes_mal_10_2014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier geht&#8217;s zum Original-Artikel der RW 10.2014<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag habe ich nach meinem ersten Marathon in M\u00fcnchen am 14. Oktober 2013 geschrieben. Er wurde leicht gek\u00fcrzt in der Oktober -Ausgabe der Runner&#8217;s World 2014 in der Rubrik &#8222;Mein erstes Mal&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Als ich am 01. 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